August und die Revolution

Zeitreise-Berichte der Klasse 10a des Integrierten Gesamtschule am Steintor in Halle (Workshop vom 25. bis 26. September 2023)


24. Dezember 2045

Traurig, aber wahr: Es ist Weihnachten. Auch heute bin ich nur knapp den Ordnungsrobotern entkommen. Aber dieses Mal hatte ich Glück, ich konnte eine Gummibärchenpackung ergattern, die ich später mit meiner Schwester teilte. Meine Schwester leidet an einer Seuche und hat nur noch ein paar Tage zu leben. Deswegen wurde sie in die Quarantäne weggesperrt. Unsere Umwelt ist komplett zerstört, die Städte bestehen hauptsächlich aus Ruinen.

Manchmal schaffe ich es, bis zur Mauer zu schleichen und ihr etwas Brot hinüberzuwerfen. Dafür bewege ich mich ganz langsam im Dunkel der Gasse, doch wenn mich die Ordnungsroboter erwischen, bin ich geliefert. Als ich zu Hause angekommen war, traf ich meine Freunde Otello und Markus. Sie können sich nicht so frei bewegen, da sie, wie die meisten Menschen heutzutage, einen Chip im Körper haben. Ich wurde dank einer List meiner Eltern davon verschont.

Essen für alle zu stehlen, ist das einzige, was ich tun kann. Irgendwie muss man ja helfen. Wenn ich nicht wenigstens ein bisschen Nahrung für alle beschaffe, sind wir am Ende. Es ist einfach grausam. Als ich eingekuschelt zwischen meinen Freunden fast eingeschlafen war, hörte ich die Alarmsirene. Wieder wurden wir Zeugen, wie die Ordnungsroboter wahllos Leute zusammentrieben und wegbrachten. Was mit den Abgeführten passiert, weiß niemand.

Seit General August an der Macht ist, haben wir Bürger gar nichts mehr zu sagen. Er und seine Clique kontrollieren uns alle rund um die Uhr. Wer nicht mitmacht, wird „umerzogen“ oder verschwindet einfach im Gefängnis.


Eine Szene, die sich im Jahre 2045 zugetragen hat…

1. Akt: Im Reichenviertel auf dem Marktplatz

 Handelnde Personen:  

  • General August – Diktator  
  • Bürger des Reichenviertels  
  • Ordnungsroboter – Leibwächter   

Es versammelt sich eine Menschenmenge auf dem Markplatz des Reichenviertels. Der weiße Marmor reflektiert die Sonnenstrahlen und blendet die Gesichter. Fanfaren ertönen.

Ordnungsroboter (räuspert sich): Liebe Bürger, wir heißen unseren General August willkommen (hält kurz inne). Applaudiert und freut euch!

Lauter Jubel ist zu hören.

General August: Bürger! Die Mauer ist gebaut und absolut undurchlässig. Es ist Zeit, dass wir uns eingestehen, dass alle, die außerhalb unseres Schutzwalls existieren, dem Tode geweiht sind. Noch mögen sie essen und trinken, noch mögen sie atmen, noch mögen sie leben. Doch längst hat sie die Seuche in ihren Klauen. Doch wir brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben mit Blick auf das, was wir getan haben (macht eine künstliche Pause). Wir haben die Menschheit gerettet. Es ist Zeit, dass wir jetzt an die Zukunft denken. Es bricht eine neue Ära für die gesamte Menschheit an. Und doch wollen wir die Opfer nicht vergessen, die erbracht werden mussten für unser Paradies auf Erden. Möge die Utopie Wirklichkeit werden! Eine Schweigeminute für die armen Seelen, die dem Tod in die Augen schauen und jenseits der Mauer vor sich hinsiechen.

Alle schauen zu Boden. Es wird geschwiegen.


2. Akt: Jenseits der Mauer

 Handelnde Personen:  

  • Ordnungsroboter – Sicherheitsbeamter   
  • Joseph – Vater   
  • Klaus – ältester Sohn von Joseph   
  • Emre – jüngster Sohn von Joseph   

Emre: Papa, Papa!

Klaus: Lasst ihn sofort los!

Die Roboter beachten die beiden Jungs nicht und transportieren den Vater ab.

Klaus (verzweifelt): Das kann nicht so weitergehen.

Emre (niedergeschlagen): Aber was sollen wir tun?

Klaus: Den August stürzen!

Emre schaut sich verstohlen umher.

Emre: Echt?!

Klaus: Ja, na klar. Was denn sonst?

Emre: Okay.

Klaus: Dann lass uns gehen und einen Umsturzplan schmieden.

Die beiden laufen tuschelnd weg.


3. Akt: Im Reichenviertel auf dem Marktplatz

 Handelnde Personen:  

  • General August – Diktator
  • Bürger des Rechenviertels
  • Ordnungsroboter – Leibwächter  

Erneut ertönt Musik zur Ankündigung des General August. Die Bürger versammeln sich. Ein Leibwächter tritt vor.

Ordnungsroboter: Heißt unseren General August erneut willkommen!

Die Menge jubelt.

Bürger (schreiend im Chor): August! August! August!

Nun ist zu sehen, dass die beiden Brüder Emre und Klaus sich unter die Menge gemischt haben. Zunächst jubeln sie mit den anderen, doch dann tritt Klaus aus der Masse hervor und stößt August von seinem Podest. Dieser stolpert und die Ereignisse überschlagen sich. Es ist nicht klar zu erkennen, was passiert. Doch am Ende hält Emre das kalte Herz des Diktators in der Hand, streckt das seltsame Objekt in die Höhe und die Masse atmet auf. War August ein Android? Freudenschreie ertönen auch von jenseits der Mauer. Endlich hat sich das Volk von General August befreit.

Redaktion: LK, PK.