Vereinsamung durch Technik?

Zeitreise-Berichte der Klassen 10b und 10c des Paul-Gerhardt-Gymnasiums in Gräfenhainichen (Workshop vom 23.04. bis 24.04.2024)


Wir schreiben das Jahr 2045

Es ist 2045. Der Menschheit geht es weitestgehend gut. Keine allzu großen Veränderungen beeinträchtigen das Leben des Durchschnittsbürgers. Es gibt viele Naturschutzgebiete, die Wälder erhalten sollen und die Wertschätzung für die Natur verdeutlichen. Diese Gebiete stehen beispielhaft für die vielen Maßnahmen, die angesichts des fortschreitenden Klimawandels getroffen werden. 

In der Schule läuft nun tatsächlich alles digital. Es wird nur noch mit modernen Tablets gearbeitet. Außerdem gibt es wirklich in jedem Klassenraum elektronische Tafeln. 

Auch im Bereich Kommunikation ist 2045 alles digital. Die Menschen verständigen sich über VR-Chats und verbringen ihre Freizeit vor allem im digitalen Raum. Außerdem ist die KI eine große Hilfe, da sie Aufgaben übernimmt, die bei den Menschen unbeliebt sind und eine zu große Belastung darstellen. 

Alles in allem, hat sich in den letzten Jahren sehr viel verbessert. Jedoch sehen nicht alle Menschen diese Veränderungen als positiv an. So gibt es zum Beispiel einige Menschen, die in der Natur randalieren oder auch Menschen, die die neuen Technologien sehr negativ sehen. 


Eine Szene, die sich im Jahre 2045 zugetragen hat…

1. Akt: Klassenraum 

 Handelnde Personen:  

  • Lehrer Mr. History-Biology  
  • Schüler und Schülerinnen  
  • Reporter Marty McFly  

Es klingelt zum Unterricht und der Lehrer betritt den Klassenraum. Während dieser zur Tafel geht, würdigen die Schüler und Schülerinnen ihn keines Blickes und starren entweder auf ihr Handy und Tablet oder haben eine VR-Brille auf. 

Lehrer: Hallo Klasse! Seid ihr alle da? (die Klasse schweigt) Ja, ich sehe schon. Motivation ist wieder top. Also, wir haben heute Geschichte. 

Währenddessen erreicht der Reporter das Schulgelände und spricht in eine Kamera. Er möchte eine neue Geschichtsdokumentation drehen und über den Schulalltag berichten. 

Lehrer: Und heute behandeln wir ein neues Thema. Das heißt: Corona-Virus. (schreibt an die Tafel) 

Reporter (steht vor der Tür des Klassenraums): Klopfen wir doch einmal an. (klopft)

Lehrer: Oh, ich sehe, wir haben Besuch. Herein. 

Reporter (betritt den Raum): Ja, hallo. Mein Name ist Marty McFly von der Historien-GmbH. Wir machen eine Dokumentation über die Schule. Wollen Sie etwas dazu sagen?

Lehrer: Ja, stellen Sie mir doch gerne ein paar Fragen dazu. Also, wie Sie sehen, die Motivation bei uns hier im Unterrichtsraum ist ja noch nicht so da, deswegen legen Sie gerne los.  

Reporter: Ja. (nickt) Also als erstes, was unterrichten Sie und wer sind Sie überhaupt?

Lehrer: Ich bin Mr. History-Biology, auch Hill-Billy genannt, und ich unterrichte Geschichte und Biologie. 

Reporter: Ah. Und was unterrichten Sie gerade? Welches Thema?

Lehrer: Wie Sie sehen (deutet auf die Tafel), Geschichte, das Corona-Virus. Und ich würde gerne mal eine Frage an die Klasse stellen. Weiß denn irgendjemand, was es damit auf sich hat? 

Die Klasse schweigt. Niemand schaut den Lehrer auch nur an.

Lehrer: Sie sehen, die Klasse ist nur an ihren VR-Brillen, iPads oder was weiß ich. Es geht überhaupt nicht mehr um die Sache. Es wird nur noch mit der Technik gearbeitet und keiner bringt mehr ein ordentliches Wort heraus. 

Reporter: Wie war das denn in Ihrer Schulzeit? Sie sind ja jetzt auch schon im fortgeschrittenen Alter. 

Lehrer: Ja, in meiner Schulzeit war das noch ganz anders. Ja, wir waren wenigstens nur am Handy und haben Brawl Stars gespielt, aber die, die sitzen hier nur da und machen nichts. Ja, da ist nichts da. Also, man könnte meinen, das wären leblose Statuen. 

Reporter: Hatten Sie denn schon mal das Gefühl, dass irgendjemand hier schon einmal ein Anzeichen von Leben von sich gab? 

Lehrer: Leider noch nicht. Also, Sie können mal in der Pause vorbeischauen. Da bin ich ja leider nicht da, aber ansonsten im Unterricht, absolut tot. 

Reporter: Okay, dann vielen Dank erst einmal für dieses Gespräch. (spricht nun wieder direkt in die Kamera) Wir melden uns dann später in der Pause zurück. 

Es klingelt zur Pause. 

Lehrer: Ja, wie ihr seht, der Unterricht ist schon wieder vorbei. Dann geht mal in die Pause und überlegt euch vielleicht noch irgendwas dazu. Nächste Stunde ist dann Biologie. 

Die Schüler und Schülerinnen verlassen wortlos den Klassenraum. 


2. Akt: Pausenhof

 Handelnde Personen:  

  • Reporter Marty McFly  
  • Schüler und Schülerinnen  

Im Pausenhof tummeln sich viele Schüler und Schülerinnen. Es ist jedoch sehr still. Niemand redet miteinander. Jeder und jede ist ins Smartphone, Tablet oder die VR-Brille vertieft. Der Reporter läuft über das Gelände und spricht in die Kamera. 

Reporter: Sie sehen nun die Schüler in ihrem natürlich Habitus in der Pause. Wie sie sehen, keinerlei menschliche Interaktion, kein Miteinander. (die Kamera schwenkt kurz zu den Schülerinnen und Schülern) Sie arbeiten nur über sämtliche digitale Welten zusammen. Es macht nicht den Anschein, dass irgendeine meiner Handlungen eine Reaktion hervorruft. Sie sind so in ihrer eigenen Welt gefangen, dass äußere Reize keinen Einfluss auf sie zu haben scheinen. Sie sind komplett mit ihren technischen Geräten verbunden. 

Die Schulklingel ist wieder zu hören. Die Pause ist damit nun vorbei und der Unterricht beginnt wieder. Wortlos laufen die Schüler und Schülerinnen in den Klassenraum. 


3. Akt: Klassenraum in der Natur  

 Handelnde Personen:  

  • Lehrer Mr. History-Biology  
  • Schüler und Schülerinnen  
  • Reporter Marty McFly  

Lehrer: So, jetzt ist wieder Unterricht. Biologie. Ich hoffe sehr, ihr habt irgendwas gemacht in eurer Pause. Ich brauche hier jetzt auch einmal ein bisschen Hilfe mit der neuen Technik. (dreht sich zu der elektronischen Tafel und dann wieder hilfesuchend zur Klasse, jedoch meldet sich niemand) Vielleicht könnt ihr mir hier ein wenig helfen? Ich würde gerne eine PowerPoint zu einem Eisbären starten. 

Schüler (blickt auf einmal zu dem Lehrer): Tier!

Lehrer: Perfekt. Tier. (etwas unbeholfen, aber schließlich erfolgreich widmet er sich wieder der elektronischen Tafel zu und kann endlich seine Präsentation starten) Also, wir wollen heute ausgestorbene Tierarten behandeln. In den letzten 25 Jahren gab es da ja einige. Kann mir denn irgendjemand hier ein ausgestorbenes Tier nennen. (blickt fragend in die Klasse, diese schweigt) Niemand?

Es klopft an der Tür. 

Lehrer: Oh, schon wieder Besuch! Das gibt es doch gar nicht. Heute wird der Unterricht aber oft gestört. 

Reporter (kommt herein): Ja hallo, ich noch einmal. Marty McFly. Wir haben die Schüler gerade eben schon einmal in ihrem natürlichen Umfeld in der Pause gesehen. Das ist ja wirklich ein sehr besorgniserregender Zustand, der hier herrscht. 

Lehrer: Absolut, ich weiß auch nicht mehr, was ich noch machen soll. Eigentlich wäre es besser, gar nicht mehr in die Schule zu kommen für mich, weil es hat einfach keinen Zweck. 

Reporter (nickt verständnisvoll): Ja, ich sehe gerade, Sie unterrichten Biologie und es geht um ausgestorbene Tierarten. Was halten Sie denn von der durchaus bekannten Theorie, dass die Eisbären sich nur verstecken und gar nicht ausgestorben sind?

Lehrer: Ja, das halte ich für ziemlich plausibel tatsächlich. Die wollen immer mehr Schutzgebiete bekommen und sie wissen, wie sie das erreichen. Nämlich dadurch, dass sie simulieren, dass sie ausgestorben sind. Aber es steht nun mal so im Lehrplan, dass sie ausgestorben sind, deswegen müssen wir das auch so unterrichten. 

Reporter: Also verschweigt uns die Regierung diesen außerordentlich wichtigen Fakt? 

Lehrer: So jetzt mal ganz unter uns… (winkt den Reporter zu sich) Vielleicht, also nur vielleicht, ich möchte hier natürlich nichts andeuten… Überlegen Sie sich das alles noch einmal. Und recherchieren Sie selbst auch mal ein bisschen. Da kommen Sie vielleicht auch dahinter. 

Reporter: Ja gut, aber die Recherchequellen sind ja mittlerweile auch sehr begrenzt durch unsere Regierung. Was halten Sie denn von der aktuellen Bildungsreform der Regierung?

Lehrer: Ja, also die Bildungsreform, dass wir hier mehr und mehr Technik haben an den Schulen… Ich finde das absoluten Schwachsinn. (zeigt auf die Schülerinnen und Schüler) Schauen Sie sich doch an, was passiert. Wir haben hier blaue Haare, rote Haare, schwarze Haare, was weiß ich. Aber keiner ist mehr in der Lage, hier eine gescheite Antwort zu geben. Sie können gerne mal selber eine Frage an die Klasse stellen. 

Reporter (zur Klasse gewandt): Kann mir irgendjemand eine Beispieltierart nennen, außer den Eisbären, die in den letzten 25 Jahren ausgestorben ist? (die Klasse schweigt) Gut. (wendet sich wieder dem Lehrer zu) Was denken Sie, wie sollen die Schüler damit weiterkommen? Die werden ja mit diesem Wissensstand wahrscheinlich keinen Abschluss erreichen. 

Lehrer: Ich denke, sie werden einfach eine Petition starten, um das Matheabitur leichter zu machen und dann werden die das irgendwie auch schon schaffen. 

Reporter: Ja, aber diese Petitionen, das bringt doch gar nichts. Das hat in unserer Zeit doch auch schon nicht funktioniert. 

Lehrer: Wissen Sie, ich weiß auch nicht mehr, wie das hier weitergehen soll. (schüttelt traurig seinen Kopf) Ich denke, die Stunde ist jetzt auch schon wieder gleich vorbei, aber keine Ahnung. Ich bin komplett sprachlos. Sie sehen, das Tafelbild bleibt leer, so wie jede Stunde. Sie sehen, es ist ein katastrophaler Zustand an unserer Schule. 

Die Schulklingel ertönt. Die Klasse verlässt den Unterrichtsraum.