Verschwörung im Präsidentenpalast?

Ein Zeitreise-Bericht der Klasse 10b der Sekundarschule „Wladimir Komarow“ in Stendal (27.-28. April 2023)


Wir schreiben das Jahr 2045

Abu Schafar hat den Posten des Staatspräsidenten von Europa inne, nachdem er durch eine kontroverse Wahl an die Macht gekommen ist, die von vielen als manipuliert angesehen wird. Seine politische Agenda hat dazu geführt, dass das politische System der EU stark fragmentierte und viele europäische Länder sich in ihrer Unabhängigkeit bestärkt fühlen.

Mahmud, ein ehemaliger Klempner, hat eine neue Technologie entwickelt, mit der Hologramme von Menschen erstellt werden können, die nicht mehr unter uns weilen. Viele glauben jedoch, dass diese Technologie von Abu Schafar genutzt wird, um seine politische Agenda zu fördern, indem er sich mit den Geistern verstorbener Staatsmänner und -frauen berät.

Es gibt zahlreiche Verschwörungstheorien darüber, was in den Regierungspalästen tatsächlich vor sich geht. Viele glauben, dass das politische System von Europa kurz vor dem Zusammenbruch steht. Dennoch gibt es auch einige wenige, die hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und glauben, dass Europa bald aus diesen turbulenten Zeiten herausfinden wird.

 


Eine Szene, die sich im Jahre 2045 zugetragen hat…

1. Akt: In der Werkstatt

 Handelnde Personen:  

  • Mahmud – Erfinder  
  • Hanno – sein Kollege  

Mahmud tüftelt am Prototyp einer Maschine herum, mit deren Hilfe es ihm und seinem Kollegen Hanno vor kurzem erstmals gelungen ist, glaubwürdige Abbilder verstorbener Menschen zu erzeugen. Er unterbricht seine Arbeit, als Hanno die Werkstatt betritt.

Hanno: Wie geht die Arbeit voran?

Mahmud: Sie ist beinahe fertig, aber ein paar Handgriffe fehlen noch.

Hanno (mit ernster Miene): Mir lässt unser gestriges Geschäftstreffen keine Ruhe. Ich wollte noch einmal mit dir darüber sprechen.

Mahmud (hebt skeptisch die Augenbrauen): Ich dachte, wir hätten uns geeinigt.

Hanno: Ja, das dachte ich auch. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto größer werden meine Zweifel, ob wir wirklich das Richtige tun. 

Mahmud: Was genau ist dein Problem?

Hanno: Mein Problem ist, dass ich glaube, dass Abu Schafar die Maschine missbrauchen wird. Ich bin mir absolut sicher, dass er sie nicht nutzen wird, um mit seinen verstorbenen Verwandten in Kontakt zu treten.

Mahmud: Was soll er sonst damit tun?

Hanno: Er wird sie nutzen, um seine ohnehin schon unkontrollierte Macht noch zu erweitern. Er könnte sie nutzen, um verstorbene Diktatoren in seinen Beraterstab zu holen, und sie zu seinen willenlosen Erfüllungsgehilfen zu machen.

Mahmud (lacht): Du hast zu viele Science-Fiction-Filme gesehen (wendet sich wieder der Maschine zu).

Hanno: Wir haben immer gesagt, dass unsere Maschine einzig und allein dazu dienen soll, den Verlust geliebter Menschen zu überwinden. Du weißt besser als jeder andere, was das bedeutet. 

Mahmud: Das reicht. Wir haben gestern eine Abmachung getroffen. Er bekommt den Prototyp und dafür erhalten wir Forschungsmittel in unbegrenzter Höhe. 

Hanno: Ich werde nicht zulassen, dass wir zum Werkzeug eines Diktatoren werden. 

Mahmud (dreht sich zu Hanno um und schaut ihn ernst an): Was willst du tun? Zu Abu Schafar gehen und ihm sagen, dass der Deal geplatzt ist? Überleg’ doch einmal, was du uns damit antust! Wir sind zwei mittellose Holo-Klempner, die es erreicht haben, dass sich der Staatspräsident persönlich für unsere Arbeit interessiert. Das ist unsere Chance.

Hanno: Ich bleibe lieber ein mittelloser Holo-Klempner, als einem menschenverachtenden System zu dienen. Das alles gab es schon einmal.

Mahmud: Tu, was du willst. Ich stelle diesen Prototyp fertig und werde ihn an den Präsidentenpalast ausliefern, so wie es abgemacht ist. Du wirst mich nicht davon abhalten. 

Hanno (traurig): Ich habe verstanden.

Hanno verlässt die Werkstatt. Mahmud widmet sich wieder seiner Arbeit.


2. Akt: Im Präsidentenpalast

 Handelnde Personen:  

  • Abu Schafar – Staatspräsident  
  • Beraterin  

Abu Schafar unterhält sich mit seiner Beraterin in seinem Büro im Präsidentenpalast. 

Abu Schafar: Und er hat Ihnen glaubhaft versichert, dass die Abmachung steht?

Beraterin: Ja, er sagte, er sei absolut überzeugt. 

Abu Schafar: Wusste er von der Haltung seines Partners?

Beraterin: Er sagte, sie hätten gestern Abend ein Streitgespräch darüber geführt, ohne dass sie zu einem Ergebnis gekommen wären. Dass er sofort zum Präsidentenpalast gelaufen ist, sei ihm jedoch nicht klar gewesen. 

Abu Schafar: Dann ist er auf unserer Seite. Das ist eine gute Nachricht. Aber sein Partner ist ein Problem. 

Beraterin: In der Tat. 

Abu Schafar: Wenn er den Prototyp sabotiert, wäre das ausgesprochen ärgerlich. Wir sind von dem Potenzial der Maschine überzeugt. Gerade jetzt, wo wir beinahe am Ziel sind.

Beraterin: Es gäbe verschiedene Möglichkeiten, auf das Problem zu reagieren. Eine Erhöhung der Entlohnung, eine Beförderung und, wenn alle Stricke reißen, physische Überzeugungsmittel. 

Abu Schafar: Er hat gezeigt, dass er nicht korrumpierbar ist. Wir sollten konkrete Maßnahmen ergreifen. 

Beraterin: Ich verstehe.

Die Beraterin verlässt mit finsterer Miene den Raum.


3. Akt: Das Telefonat

 Handelnde Personen:  

  • Hanno – Erfinder  
  • Ella – seine Bekannte  

Ella und Hanno telefonieren miteinander. Im Gegensatz zu Hanno ist Ella von der Regierung überzeugt.

Ella: Du klingst paranoid. 

Hanno: Mach die Augen auf! Diese Regierung ist autokratisch mit Tendenz zum Totalitarismus. Ich spiele da nicht mit. 

Ella: Er hat doch gerade mit dem europäischen Zentralismus Schluss gemacht und die Staaten gestärkt. 

Hanno: Das waren doch reine Formalitäten. Die Macht liegt immer noch bei Abu Schafar. Schau dir nur an, wie er die Wahl manipuliert hat. 

Ella: Die Wahl war sauber. 

Hanno: Machst du Witze? Niemand erhält 98 Prozent der Stimmen. Absolut niemand. Diese Wahl war eine einzige Farce. 

Ella: Verschone mich mit deinen Verschwörungstheorien. 

Hanno: Weißt du was, du hast recht. Das sind tatsächlich Verschwörungstheorien. Nur, dass diese wahr sind! Hast du mal einen Blick auf die Leaks aus dem Präsidentenpalast geworfen? Das erinnert an ganz dunkle Zeiten. 

Ella: Entschuldige, aber das wird mir zu anstrengend. Lass uns das Thema wechseln. Ich wollte dich sowieso fragen, ob du mal vorbeikommen könntest, um dir meinen Holo-Spiegel anzuschauen.

Hanno: Was stimmt damit nicht?

Ella: Er hat wieder angefangen, mein Spiegelbild zu verzerren und zu manipulieren. Du müsstest mal wieder Hand anlegen. Ohne dich bin ich aufgeschmissen. 

Hanno (seufzt): In Ordnung, ich komme vorbei. Aber du trägst selbst die Verantwortung dafür, wenn sie dich mit mir zusammen sehen. 

Ella: Meinetwegen.

Sie beenden das Gespräch. Hanno macht sich auf den Weg zu Ella.

Redaktion: DP.